Zentral- & Hochschulbibliothek Luzern
Dienstag, 22. Februar 2005, 20 Uhr
Ein Maulkorb für Kant
Hörbuch-Vernissage

Ein Maulkorb für Kant

Ein Schauspiel in elf Bildern von Richard Lewinsohn, als Hörbuch eingerichtet von Andrej Togni

Zum umfangreichen Werk des bekannten und erfolgreichen Sachbuchautors Richard Lewinsohn (1894 - 1968) zählen neben auflagenstarken volkswirtschaftlichen und kulturgeschichtlichen Publikationen, z.B. Die Weltgeschichte der Sexualität oder Die Weltgeschichte des Herzens auch etliche Bühnenwerke wie das Schauspiel Ein Maulkorb für Kant. An diesem kritischen Beitrag zum unvollendeten Projekt der europäischen Aufklärung arbeitete Lewinsohn bis kurz vor seinem Tod im April 1968.

Die in der ZHB domizilierte Richard-Lewinsohn-Stiftung sorgt seit 1973 für die Erhaltung und Verbreitung der Werke Lewinsohns und präsentiert nun das bislang unaufgeführte Schauspiel in der von Andrej Togni bearbeiteten Hörbuch-Version mit vielen bekannten Schweizer Schauspielerinnen und Schauspielern.

Anlässlich der Hörbuch-Vernissage lesen
Peter Kner in der Rolle als Immanuel Kant, Ernst Süss in der Rolle als Green (ein englischer Kaufmann) und Peter Fischli in der Rolle als Hippel (Bürgermeister).

Wissenswertes zu Autor und Werk vermitteln Daniel A. Guggenheim, Präsident der Lewinsohn-Stiftung, der Schauspieler Michael Wolf und Silvia Planzer als Moderatorin.

Eintritt frei

Kontakt:
Ina Brueckel, ina.brueckel@zhbluzern.ch


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Zum Autor

Richard Lewinsohn-Morus

(23.9.1894 - 09.4.1968)

 

In Graudenz (heute Deutschland, damals Poland) geboren, verliess Lewinsohn seinen Heimatort als Kind, schloss medizinische und volkswirtschaftliche Studien (in Berlin und München) als Dr. med. und Dr. rer.pol. ab. Als junger Arzt leitete er im 1. Weltkrieg einen Frontlazarettzug, hernach eine Unfallstation in Berlin. Anfang der Zwanzigerjahre wechselte Lewinsohn zum Journalismus, schrieb (unter dem Pseudonym MORUS) über Medizin, Volkswirtschaft, Soziologie, aber auch über Musik, Literatur und bildende Kunst für den «Börsen-Courier», die «Vossische Zeitung», «Die Weltbühne», wurde Chefredakteur des Finanz- und Wirtschaftsteils der «Vossischen Zeitung», dann Chef der Ullstein-Blätter und schliesslich nach der faschistischen Gleichschaltung Mitarbeiter der französischen Zeitungen «Paris-Midi» und «L’Intransigeant» sowie Pariser Korrespondent der portugiesischen «República».
Nach Kriegsbeginn musste Lewinsohn auch Frankreich verlassen. Über Lissabon ging er nach Rio de Janeiro, wo er zunächst als freier Journalist, dann als Finanz- und Wirtschaftsberater der brasilianischen Regierung tätig war, das Institut für Konjunkturforschung und die Zeitschrift «Conjuntura Econômica» gründete, als deren Korrespondent er 1952 nach Paris zurückkehrte. Dort war er für mehrere Zeitungen tätig, arbeitete als Berichterstatter der «Neuen Zeitung», Berlin, des «Correio da Manhã», Rio de Janeiro, des «Volkswirt», Frankfurt a. M., der «Zürcher Wocher» usw.

In den letzten Jahren widmete sich Lewinsohn mehr und mehr seiner Musikleidenschaft. Bücher schreibend, komponierend, berichterstattend, unermüdlich reisend, lebte er ständig in Hotels. Zu den oft besuchten Städten gehörten neben Rom, Wien, London und Zürich auch die Festspielorte Salzburg und Luzern.

Nach einem Herzinfarkt verbrachte er 1958 mehrere Monate im Rotkreuzspital in Zürich, wo er die «Weltgeschichte des Herzens» diktierte. Während eines Kuraufenthalts in Lugano und Luzern dachte der beständig Reisende sogar daran, sich in der Schweiz niederzulassen, nahm jedoch schliesslich das Reiseleben wieder auf und starb auf einer Studienreise in Madrid, wo er auf dem Zivilfriedhof, in der Nähe seines spanischen Verlegers Aguilar und des Schriftstellers Pio Barrojo beigesetzt wurde.

1973 übernahm die Zentralbibliothek / Zürich den literarischen Nachlass, in Luzern entstand (mit Sitz in der Zentralbibliothek / Luzern) die Richard Lewinsohn-Morus Stiftung. In zwanzig Büchern, die in eben so viel Sprachen übersetzt und nach seinem Tode immer wieder neu aufgelegt wurden, bleibt sein Werk lebendig.

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Bibliografie (Auswahl)

  • Umschichtung der Europäischen Vermögen (Berlin, 1926)
  • Wie sie gross und reich wurden (Berlin, 1927)
  • Der Man im Dunkel / Sir Basil Zaharoff (Berlin, 1929)
  • Das Geld in der Politik (Berlin, 1931)
  • Die Welt aus den Fugen (Dresden, 1932)
  • Sinn und Unsinn der Börse (Berlin, 1933)
  • Geschichte der Krise (Leipzig, Wien, 1934)
  • Les profits de guerre (Paris, 1935)
  • Bornato, roi de l’or (Paris, 1937)
  • Trusts et cartels (Paris 1940/1950)
  • Os 60 dias tragicos da Franca (Rio de Janeiro, 1941)
  • La guerre sans mystère (New York, 1942)
  • Eine Geschichte der Tiere (Hamburg, 1952)
  • Die Grossen der Weltwirtschaft (Berlin, 1955)
  • Der ewige Zeus (Hamburg, 1955)
  • Eine Weltgeschichte der Sexualität (Hamburg 1956)
  • Die Enthüllung der Zukunft (Hamburg, 1958)
  • Eine Weltgeschichte des Herzens (Hamburg, 1959)
  • Der Wunderdoktor aus Mauritius (München, 1963)
  • Marx, Märkte und Mars (Zürich, 1964)
  • Skandale, die die Welt bewegten (Berlin, 1967)
  • Ein Maulkorb für Kant (Manuskript, 1968)

    Nachlass in der Zentralbibliothek Zürich

Unterlagen zur Person, Briefe, Materialien zum Werk, Bildmaterial, Musikhandschriften, Reden, Vorträge, Reisebeschreibungen, Vorarbeiten meist zu Sachbüchern, Werke (auch Dramatisches und Musikalisches), Zeitungsausschnitte. Urheber- und Nebenrechte bei der Richard Lewinsohn/Morus Stiftung c/o Zentralbibliothek Luzern. - 8 m - Unpublizierte Findmittel. Signatur: Nachl. R. Lewinsohn (-Morus) 1-33.

Weiterführender Link
http://www.students.uni-mainz.de/hilst005/Morus.htm

Richard Lewinsohn
Ein Maulkorb für Kant

Komödie, als Hörbild eingerichtet von Andrej Togni
Rollen und Darsteller
Immanuel Kant Peter Kner
Hippel, Bürgermeister Peter Fischli
Green, ein englischer Kaufmann Ernst Süss
Motherby, ein englischer Kaufmann René Ander-Huber
Ruffmann, preussischer Bankbeamter Jodok Seidel
Jochmann Christian Straube
König Friedrich Wilhelm II Michael Schacht
Graf von Herzberg Markus Bühlmann
Lampe, Kants Diener Andrej Togni
Freiherr von Zedlitz Michael Wolf
Wöllner, der neue Kultusminister Frank Wenzel
Wilhelmine Encke, Mätresse des Königs Karin Wirthner
Frau Encke, deren Mutter Silvia Planzer
Zensor Beat Bill
Köchin Ursula Hildebrand
Oberst Walter Sigi Arnold
Soldat Christof Wolfisberg
Kinderchor MSL Singknaben
Auktionator Andrej Togni

Regie/Musik Andrej Togni

Studio Soundfarm, Kriens-Obernau LU
Tonmeister Marco Jencarelli

Aufgenommen in der Soundfarm, Kriens, 2004
Produktion: Lewinsohn / Morus-Stiftung / Alle Rechte vorbehalten

© Lewinsohn / Morus-Stiftung, Lucerne 2004


Mitglieder des Freundeskreises der ZHB erhalten das hörbuch 'ein maulkorb für kant' als Jahresgabe. Weitere Exemplare sind für Mitglieder des Freundeskreises in der ZHB zum Preis von CHF 6 erhältlich. Kontakt: Frau Renate Büche, Sekretariat ZHB, 041-2285312, renate.bueche@zhbluzern.ch

Richard-Lewinsohn / Morus-Stiftung
Die Richard-Lewinsohn / Morus-Stiftung wurde eingerichtet, um das Werk des vielseitig begabten Mannes in Erinnerung zu halten und junge Musikschaffende zu fördern. Sie Verfolgt dieses Stiftungszweck seit 1973 und hat eine beachtliche Zahl von Kompositionen in Auftrag gegeben, junge Musizierende gefördert und mit Konzerten auf Talente in beiden bereichen aufmerksam gemacht.

Richard Lewinsohn/Morus-Stiftung
c/o Zentral- und Hochschulbibliothek
Sempacherstrasse 10
6002 Luzern